Ein kleiner Exkurs

Das Wort “Stress” ist wohl der am meisten falsch verstandene und verwendete Begriff unserer Zeit.  Hier soll nun keine weitschweifende wissenschaftliche Betrachtung über dieses Wort stattfinden, vielmehr genügt zu wissen, was der anerkannte “Urvater” der Stress-Forschung Hans Selye erkannt, nachgewiesen und definiert hat:
 
    Stress ist die unspezifische Reaktion des Körpers auf jede Anforderung, die an ihn gestellt wird.
 
    Die unspezifische Reaktion des Körpers tritt also ein bei körperlicher, geistiger und seelischer Beanspruchung! Sie ist sozusagen “ganzheitlich”, und sie ist nicht im Spiegel des Bewußtseins. Deshalb wird die Schwelle zu überhöhter Anforderung oder der Überbeanspruchung des Menschen, in welcher Ausprägung auch immer,  in der Regel nicht erkannt. Kann sich der einzelne  helfen, indem er bestimmte Symptome beachtet, erkennt, richtig deutet und sein handeln danach ausrichtet? Im Prinzip ja. Aber geschieht das wirklich im “Alltagsgeschäft”? Lassen die - allesamt wichtigen und dringenden - Aufgaben genügend Raum? Sind Zielstellungen oder -vorstellungen auf Realisierbarkeit überprüft? Hat man dafür genügend Zeit? Zwangsläufig ja, meist wenn es zu spät ist!

“Job weg, Beziehung im Eimer, Ansehen im Keller, Autorität futsch, Karriere am Ende, Karriereknick, richtig in den Job einsteigen - aber wie, Geschäfte abgestürzt, Geschäftspartner seilt sich ab, Gesundheit zum Teufel, Selbstachtung flöten, saufen bis die Schwarte kracht, Tabletten helfen immer - am Anfang.....”, Satzkürzel-Zitate aus escape-line Kontakt-Telefonaten.

Aber auch:
“Unser Unternehmen ist in den letzten 2 Jahren seit der Gründung von ursprünglich uns 3 Gründern auf jetzt fast 120 Mitarbeiter gewachsen. Als geschäftsführender Gesellschafter habe ich zwar einen wesentlichen Anteil am finanziellen Erfolg, aber wie geht es jetzt weiter? Seit etlichen Monaten hat mein Arbeitstag wieder mindestens 12 Stunden, auch die Wochenenden. Wir haben bei den Mitarbeitern eine viel zu hohe Fluktuation. Kunden springen ab, weil sie immer wieder neue Ansprechpartner in Projekten haben, die Zufriedenheit ist, nach meiner persönlichen Rücksprache bei einigen besonders wichtigen Kunden, von ’Begeisterung’ über unsere Lösungen abgefallen zu ‘ganz gut, aber...’, wir haben im letzten halben Jahr einige Mitarbeiter in Seminare geschickt, aber davon merkt man überhaupt nichts....”
 
    Festgestellt sei nun: In Krisensituationen, bei Gefahr, bei Ängsten, bei Hilflosigkeit und offenen Situationen agieren oder reagieren wir natürlicherweise mit Angriffs- oder Fluchtverhalten. Und das ist gut so, es sichert das Überleben. Leider  werden im Fall der Verstrickung die gewählten Handlungsmuster der realen Situation nicht gerecht und sie sind in der Auswahl der Mittel unangemessen. Wer greift wen wie an, wer flüchtet auf welche Weise auf welchem Weg wohin?
 
    Meist wird der “Angriff” gewählt - gegen sich selbst, gegen Mitarbeiter, gegen die realistischen eigenen Möglichkeiten, denn: “handeln” oder “machen” ist man gewohnt, man präsentiert Tatkraft und Entscheidungsfreude nach außen, körperliche Aktivität - auch unsinnige - baut tatsächlich unter bestimmten Voraussetzungen Stresshormone ab. Die Situation wird dadurch aber keinesfalls geklärt.
 
    Bildhaft ausgedrückt: Warum mit wild rudernden Schwimmbewegungen orientierungslos und ermattet untergehen, wenn eine Rettungsinsel greifbar nahe ist?

“Zu-Flucht” suchen ist im Sinne eines “gesunden Egoismus” der bessere  Weg und ein Zeichen echter Stärke und Klugheit - ebenso, einem “Fluchthelfer” zu vertrauen, der einen zeitlich begrenzten “Rückzug” unterstützt, begleitet, der das “Überleben” sicher stellt.
 
   
Der englischsprachige Begriff escape hat -je nach Zusammenhang- unterschiedliche Bedeutungen. Unsere gleichrangige Auswahl und Deutung
 
  Ausbruch/Flucht: dem Kreislauf immer wiederkehrender gleicher Fragestellungen nebst gleichlautender Antworten im Beruf und persönlichen Umfeld zeitweise den Rücken kehren
 
  Zuflucht: an neutralem Ort Abstand gewinnen von alltäglicher Belastung, Einengung und ausufernden Anforderungen
 
  Ausweg: sich lösen von alten Wegen und unbefriedigenden Handlungsweisen, neue Lösungen anstreben, den Blickwinkel und Horizont verändern
 
  Befreiung: die Fesseln persönlicher und beruflicher Verstrickungen ablegen und adäquate bessere “Wege” gehen

 

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